Leserbrief

17. Mai 2003, Stadtverband

von Karl-Heinz Wiel zum Artikel “Ratsmitglied müsste Vorsitz niederlegen” in der Kölnischen Rundschau, 16.5.2003

 

Soweit sind wir schon. Jetzt schießt sich der Wesselinger Fraktionsführer der SPD, Hans Mauel – eigentlich ein besonnener Zeitgenosse – auf Selbständige und Freiberufler ein. Seine Forderung, dass aus Befangenheitsgründen diese Berufssparte vom Ausschussvorsitz ausgeschlossen werden sollte, ist absurd. Natürlich müssen und werden Unternehmer, die sich an Ausschreibungen beteiligen, den strengen Vergaberichtlinien unterziehen müssen.

Wo leben wir eigentlich? Sollten eventuell nur noch Arbeitnehmer und Gewerkschaftler in den städtischen Gremien vertreten sein? Auch Selbständige und Freiberufler müssen sich in ihren Parteien mühsam für gewisse Ämter qualifizieren. Wenn nun ein Unternehmer als Vorsitzender eines Ausschusses berufen wird, zeugt das sicherlich von Sachkenntnis und Kompetenz. Eben diese Sachkenntnis dieser Berufsgruppen wird, auch von der Opposition, immer wieder gerne und dankend angenommen.

Jetzt, da die Kommunalwahlen näher rücken, werden altbekannte Fronten wieder aufgebaut. Ist es nicht allmählich an der Zeit, in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten dieses Klischeedenken abzubauen? Was wir brauchen, sind noch mehr Menschen, die unternehmerisch und risikobereit in den städtischen Gremien tätig sind. Wir brauchen weniger Bedenkenträger, die abgesichert am staatlichen Tropf hängend die Hauptaufgabe darin sehen, das erwirtschaftete Geld gleichmäßig zu verteilen.